Prof. Dr. Urs Greber


Wie Viren die Zellen überlisten – Transportregulation durch Passwörter und Signale

Viren sind Nanopartikel und kommen in allen Lebewesen vor. Sie gehören zu den erfolgreichsten Erfindungen der Evolution. Sie stehen an der Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur. Zur Vermehrung benötigen sie lebende Zellen. Diese Abhängigkeit hat im Laufe der Evolution eine äusserst enge Beziehung der Viren mit den Zellen entstehen lassen, und Viren zu den besten Experten der Zellbiologie gemacht. Bevor ein Virus eine Zelle infiziert, muss es verschiedene zelluläre Schutzmechanismen überwinden. Normalerweise verhindern die Zellen das Eindringen der Viren und deren intrazelluläre Vermehrung und Verbreitung im Organismus. Vielfältige Massnahmen erlauben den Viren jedoch, die Wirtsabwehr zu überwinden. Die dazu erforderlichen Tricks und Passwörter hängen vom Virustyp und den betroffenen Zellen ab. Sie reichen von roher Gewalt, zum Beispiel bei der Durchdringung der Plasmamembran oder der Kernhülle, bis zur Nachahmung zellulärer Moleküle bei der Signalübertragung, der Endozytose, dem zytoplasmatischen Transport oder dem Kernimport.  

  

Ziel unserer Forschung ist es zu finden, wie Viren die zellulären Schutzmechanismen überwinden, um in bestimmte Zellen einzudringen und sich dort zu vermehren. Um diese Frage zu beantworten, verwenden wir Techniken der molekularen Genetik zusammen mit etablierten zellbiologischen und biochemischen Methoden. Videomikroskopie und Computertechnologie erlauben uns, die Viren auf ihrem Infektionsweg zu verfolgen. Mit unseren Experimenten hoffen wir, neue Erkenntnisse über zelluläre Funktionen zu gewinnen, und Grundlagen für anti-virale Wirkstoffe bereitzustellen oder synthetische Partikel zu erzeugen, die mit Nanopräzision auf spezifische zelluläre Kompartimente gerichtet werden können.